Für mich ist heute Ruhetag. Frühs gehts erstmal runter zum Strand in ein kleines Bistro, wo es Croissants zum Frühstück gibt. Ganz ohne Fahrrad geht es aber auch heute nicht, aber immerhin mit unbeladenem Bike fahre ich dann nach Cres (Ort). Cres ist nur eine kleine Ortschaft, vielleicht 2500 Einwohner. An der Hafenpromenade spielt sich hier das gesamte Touriistenleben ab. Hier ist Bar an Restaurant an Cafe ... alles bunt belebt.
Viel mehr zu sehen gibt es hier allerdings nicht. Ich streife ein Stück durch die Hintergassen, die den Vorteil haben durch ihre Enge etwas kühler zu sein. Auch zieht es mich irgendwie von dem ganzen Touristengewusel ein Stück weg. Danach gehts wieder zurück zum Camping und runter zum Strand. Heut ist Badetag angesagt. Interessant an der Insel Cres ist noch, das die gesamte Trinkwasserversorgung der Insel von einem See namens Vrana erfolgt.
Ironie des Schicksals das ausgerechnet ich mit Sirup verseuchten Trinkflaschen über die Insel gerollt bin. Zu besichtigen ist der See allerdings nicht, die Berghänge um den See sind Sperrgebiet und nur für wenige Einheimische erlaubt.


Montag, 26.09.2016
Heute geht die Tour weiter. Frühstück mit Croissants gibts in Cres. Bis zur Fähre sind es 14km, allerdings ist die Fähre wieder auf der anderen Inselseite, das heißt für mich ich muß die ersten 6km wieder auf 350m hoch. Um 10 Uhr komme ich dort dann an, die nächste Fähre geht um 11:00 Uhr, so das ich noch Zeit habe.
Mit der Fähre geht es dann zu der Insel Krk. Hier habe ich aber nur einen Zwischenaufenthalt, ich will von hier aus gleich weiter nach Rab. Ankommen auf Krk tue ich um 12Uhr, die nächste Fähre nach Rab geht aber erst um 16:00 Uhr, so habe ich viel Wartezeit. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen an einem abgelegenen Parkplatz unter Bäumen und vertreibe mir die Zeit mit lesen.
Kurz nach mir treffen noch 2 andere Reiseradler auf dem Parkplatz ein, augenscheinlich Franzosen, die aber nichts mit mir zu tun haben wollen und auch schnell wieder verschwunden sind. Etwas später kommt der nächste Reiseradler ähnlich wie ich bepackt und zusätzlich noch mit Radanhänger. Mit ihm komme ich schnell ins Gespräch. Jeljko ist Kroate, hat zur Zeit Urlaub und verbringt diesen mit einer Radreise. Meist campt er wild hier an den besten Plätzen. Im Moment ist er auf dem Weg zu seinem Bruder auf Rab.
Er erzählt mir, das er vor 20 Jahren mal in München gearbeitet hat, danach ist er nach Kroatien zurückgegangen und hat seine eigene Firma aufgemacht. Am Anfang noch mit vielen Angestellten. Er erzählt mir das er damals viele Tabletten schlucken mußte, um das zu bewältigen. Irgendwann hat er dann einen Schnitt gemacht und seine Firma drastisch verkleinert und ist damit wesentlich glücklicher und ihm gehts sichtlich wieder besser.
Kurzerhand lädt er mich mit zu seinem Bruder nach Lopar auf der Insel Rab ein. Ich nehme das dankend an, weit komme ich heute sowieso nicht mehr.
In Lopar kommen wir dann 17Uhr mit der Fähre gemeinsam an. Bis zum Haus seines Bruders sind es noch ca. 2km. So komme ich heute auf satte 16 geradelte km.
Bei seinem Bruder lerne ich kroatische Gastfreundschaft kennen. Ohne viele Umwege werde ich in die Familie integriert und bekomme kroatische Bohnen-Graupen-Suppe zum Abendbrot serviert. Ich kriege ein eigenes Zimmer im Haus, super. Abends sitzen wir dann noch auf der Terasse des Hauses, das wirklich eindrucksvoll aussieht, wie es mit violetten Begonien überzogen ist, und trinke mit den Brüdern Bier.





Dienstag, 27.09.2016
Jeljko begleitet mich heute noch ein Stück auf der Insel Rab. Er zeigt mir den Badestrand von Lopar, einer der wenigen Sandstrände hier. Unterwegs erklärt er mir, das wir hier auf der vom Bora verschonten Seite der Insel fahren, so ist hier viel bewachsen, auf der anderen Seite der Insel sieht das anders aus.
Auf der Mitte der Insel verabschiedet er sich und fährt weiter zum nächsten Hafen. Das war wirklich eine Super Begegnung, die Kroatien mir ein ganzes Stück näher gebracht hat.
Den Rest der Strecke bis zur Fähre fahre ich dann alleine wieder weiter. Ca.30km bin ich so auf der Insel Rab geradelt. Danach gehts mit der Fähre wieder ans Festland rüber. Und wie nicht anders zu erwarten, muß ich mich nach der Fährfahrt wieder 300m nach oben schrauben, wo ich dann auf der Küstenstrße weiter fahre. Bis Prizna fahre ich die Küstenstraße bei einem beeindruckenden Panorama, links von mir die Gebirgshänge des Velebit und rechts unter mir die Adria. Die Küstenstraße ist wirklich traumhaft.
Bei Prizna geht es mit der Fähre nach 1,5h Wartezeit dann zur Insel Pag. Pag sieht von der Fähre aus wie ein riesiger Sandhaufen mit Geröll. Regelrecht lebensfeindlich sieht die Insel auf dieser vom Bora zerstörten Seite aus. Meine Trinkvorräte sind auch fast aufgebraucht. Ich hatte keine Lust die überteuerten Preise an den Häfen für Getränke zu bezahlen. So fahre ich durch eine fast wüstenhafte Gegend und rechts von mir tauchen am Straßenrand wie Fata Morganas immer wieder die Getränkereklamen der Supermärkte auf. Reiner Psychoterror :).
Nachdem ich die Hügelkuppe überwunden habe, nimmt die Vegetation zu. Die ganze Insel ist von Steinmauern durchzugen, die dem Wind des Bora trotzen sollen und die Vegetation halten sollen. Eine beeindruckende Kulisse zum Radfahren. Vor mir die sandgelbe Insel Pag, dahinter die blaue Adria und im Hintergrund erhebt sich das Küstengebirge des Festlands. Ich radle heute bis Simeni, das ist irgendwo in der Mitte der Insel Pag ein riesiger Campingplatz. Bis dorthin werden es heute 72km.






Mittwoch, 28.09.2016
Ich starte am Camping Simuni heute gegen 9:30 nach Croissant Frühstück in der Camping Bar hier. Wahnsinn diese riesigen Campingplätze hier, ausgestattet mit mehreren Restaurants, Einkaufsmärkten, Geldautomaten ... Wohlfühlen tue ich mich hier trotzdem nicht so richtig in diesen Campingstädten.
Es geht weiter durch die nur mit spärlicher Vegetation versehene Insel Pag. Nach ca. 15km komme ich oberhalb der Stadt Pag heraus, die unter mir im Tal ein prächtiges Panorama mit den Bergen des Festlandes im Hintergrund abgibt.
Spätestens ab Mittag brennt die Sonne dann wieder unerbittlich, unglaublich zu dieser Jahreszeit, aber ich will mich nicht beschweren, das schöne Wetter hab ich schließlich bestellt :). Ein genaues Ziel hab ich heut noch nicht.
Benkovac hatte ich mir so gedacht, das liegt so etwa im 90km Radius. Unterwegs kann ich meine Strecke zweimal abkürzen. Beim erstenmal eine neugebaute Straße die wunderbar geradlinig und eben verläuft, scheinen nicht viele zu kennen, so hab ich diese für mich allein und kann ein paar km fressen.
Die 2. Abkürzung die ich mir suche wird plötzlich zur Schotterpiste, hab ich an und für sich nichts dagegen, kaum Verkehr denke ich. Das Blöde sind nur die Baufahrzeuge, die hier durchrasseln und mich immer wieder in eine dicke weißee Staubwolke einhüllen. Bald bin ich weiß bepudert.
Nach 84km komme ich dann in Benkovac an, Pag hab ich inzwischen über eine Brücke verlassen. Es ist 16:30 und viel gibts hier nicht. Also weiter denke ich, bis zum Krka Nationalpark sinds noch 40km. Hoffentlich schaffe ich das, kommt ein bißchen auf das Gelände an, wenns zu bergig jetzt noch wird, kanns schwierig werden. Die ersten 20km laufen aber wie ein Länderspiel, schön eben und ich kann schön km schrubben.
Nach 100km schmeiße ich mir eine von meinen Kohlenhydrat Notfallrationen ein. Es wird nochmal etwas hügelig, aber nicht wirklich schlimm. Und so komme ich dann nach 122km (neuer persönlicher Rekord mit soviel Gepäck) in Skradin am Nationalpark an.
Dort quartiere ich mich in einem Zimmer in einem Restaurant ein. Es gibt zwar auch einen Camping hier, aber ich muß mal wieder alle Elektro Geräte aufladen und bei Licht meine Reiseberichte schreiben, und so sitze ich im Moment hier im Restaurant bei Radler, lasse es mir gut gehen und schreibe ...
Viele Bilder gibts heut nicht, heut war Kampfradeltag.


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