Dienstag, 20. September 2016

Samstag, 17.09.2016

4:50 fährt mein Zuge von Weimar los. Irgendwie schaffe ich es zu dieser für mich ungewöhnlichen Zeit rechtzeitig zum Bahnhof.
Bis Hof ist alles gut, dann ist der Zug plötzlich voll mit randalierenden Fußballfans und Fahrgästen in Lederhose und Dirndl.
Die Mischung machts. In München bin ich die lautstarken Mitfahrer dann los. Dafür ist im Zug nach Villach mein reservierter Fahrradstellplatz mit Gepäck vollgestapelt.
So quetsche ich mich mit meinem Radl (so heißt das hier, obwohl an meinem vollgepacktem Bike nichts mehr niedlich ist) vor die  Klotür und blockiere dazu noch Ein- und Ausstieg.
Zum Glück findet sich ein Schaffner der den Zug für mich nach einem letzten freien Plätzchen absucht und dann auch fündig wird.
Gegen 17Uhr bin ich dann in Villach. Ich will noch zum Faaker See. Die 15km dorthin sind auch schnell geschafft. Der hiesige Campingplatz ist ziemlich durchgeweicht und auch der Himmel sieht durchweg trübe aus, aber noch hält das Wetter.
Eigentlich sollte ich nach der Zugfahrt noch Energie haben, aber irgendwie ist mir bei dem trüben Wetter nur nach schlafen. Wenn da nur nicht die Alpengaudi-Volksmusik aus dem nahen Wirtshaus wäre, also muß ich mich mit Alptraum-Volksmusik in den Schlaf wiegen.

Sonntag, 18.09.2016

9Uhr steht mein Rad bepackt und abfahrbereit vor der Rezeption und meine heutige Tour geht bei eingetrübtem Himmel los. Nach 30km bin ich an der italienischen Grenze, aber auch hier geschieht kein Wunder und statt blauem Himmel geht jetzt ein Dauerregen los.
So gehts dann im Vollschutz weiter. Bis hier hin war die Strecke ziemlich mühselig, größtenteils Feldwege umd stetig bergan, aber nach weiteren 10 km stoße ich dann auf eine ehemalige Bahntrasse die zum Fahrradweg umgebaut wurde und dann rollts auch wieder. Der Fahrradweg ist hier wirklich schön. Man rollt am Berghang über einem malerischen Alpental durch das sich einer der größten Wildwasserflüsse der Alpen pflügt.
So wechseln sich Tunneldurchfahrten immer wieder mit gigantischen Aussichten auf den Fluß im Tal ab.
Nach 75km geht mir dann langsam der Treibstoff aus und ich mache an einem Bikertreff halt.. komische Fahrradmarken haben die hier .."Harley Davidson", und die Typen hier sehen auch nicht so aus als ob die mehr als 30m auf nem richtigen Bike zurücklegen könnten, schon gar nicht in diesen dicken Lederklamotten.
Was solls Pasta gibts jedenfalls hier bei den komischen Bikern.
Da ich mir so einen supertollen Campingplatz am See für heute ausgesucht habe, heißt das für mich nochmal zum Ende der heutigen Tour auf die letzten 10km Höhenmter schlucken, nur 200 aber die tun nochmal richtig weh.
18Uhr fahre ich dann nach 102km auf meinem super Campingplatz ein und werde nicht enttäuscht.
Lago di Cavazzo nennt sich der kleine idyllische See.
Nur zum Badengehen lädt das Wetter immer noch nicht ein. Dafür gibts hier ne schöne kleine Bar, an der ich gemütlich sitzen kann und die ersten Reiseberichte eintippen kann und von besserem Wetter träumen kann.


Montag, 19.09.2016

Hurra die Sonne scheint. Es treiben noch Wolkenfetzen am Himmel, aber das Blau ist endlich wieder zu sehen.
Um 9Uhr sitze ich auf meinem bepackten Rad und folge wieder dem Alpe Adria Radweg. So geht es abwechselnd über Feldwege und Nebenstraßen in Schlängellinie Richtung Süden.Schnell bin ich aus den Alpen raus, die eine beeindruckende Kulisse hinter mir bilden.
Anfangs geht es von einem Hügeldorf zum nächsten, warum müssen die ihre Kirchtürme immer auf den Hügelspitzen errichten und warum muß der Radweg es sich zum Ziel setzen auch ja keine Kirchturmspitze auszulassen. So geht es erst mal schön immer wieder hoch und runter, ich sammle sie alle ein die Kirchturmspitzen.
Nach 50km erreiche ich Udine. Nachdem ich mich durch die Vorstädte gequält habe, stehe ich in einer sehenswerten Innenstadt, mit bezaubernden Gässchen und Plätzen. So pilgere ich zur Piazza Matteotti mit seinen Cafes und weiter zur Piazza della Liberta mit der Loggia de Lionello, welcher wirklich prächtig aussieht.
Nach dieser leider sehr knappen Besichtigung gehts weiter, ich will noch Aquillera erreichen. 20km hinter Udine treffe ich auf eine deutsche Reisegruppe, die sich verfahren hat, also übernehme ich die Führung, oder besser mein GPS. Ganz angenehm so in der Gruppe zu radeln, irgendwie geht es so leichter. Kurz vor Palmanova muß ich die Gruppe aber verlassen, irgendwas stimmt mit meinem Rad nicht, seltsame rhytmische Geräusche vom Hinterrad und die Hinterradbremse ist auf einmal unwuchtig.
Nach genauerer Untersuchung stelle ich fest, das meine Hinterradfelge aufgeplatzt ist und bei weiterer Deformation droht das gesamte Rad zu blockieren. Laut meiner GPS App gibts in Palmanova einen Fahrradladen (dank an Fabian, Osmand ist Gold wert!). Das heißt 5km schieben um nicht schlimmeres zu riskieren. Im Fahrradladen sagt man mir dann Hilfe bis morgen 11Uhr zu. Das Hinterrad muß gewechselt werden.
Eine Übernachtung wird mir hier auch schnell organisiert und ich kriege Fahrservice zum Hotel. Echt super nett die Leute. Für mich heißt das für heute nach 85km Schluss und den Tag genießen, ich hoffe die Radreise kann dann ab morgen Mittag weitergehen.
Insgesamt noch Glück gehabt, das mir das hier passiert ist und nicht irgendwo im kroatischen Outback.
Abends in der Pension versuche ich dann meine ersten Berichte online zu stellen. Aber die Internet Verbindung war so grottenschlecht, so was hab ich noch nicht gesehen. Eine halbe Stunde um die Googel Seite zu laden.
Beim Einloggen in meinen Blogger Account bei Google, meint dann Google, verdächtige Anmeldung aus Italien, jetzt bin ich dran und muß meine Identität beweisen um in MEINEN verfluchten Account zu kommen. Sicherheitsfrage von Google: "In welchem Jahr und Monat haben Sie ihren Account bei Google eröffnet?" ...Hä??, bitte nicht, das weiß vielleicht die NSA aber ich doch nicht mehr. Irgendwie geht es dann über SMS und Codewörter das ich doch noch in meinen Account komme ..inzwischen ist eine weiter Stunde vergangen.
Aufbau meiner Bloggerseite im Explorer ..., vorgeschriebenen Text in Blog reinkopieren geht schnell, Bilder hochladen ...das wars dann ich sehe nur noch Eieruhren, nichts geht mehr, der Hotelanschluß meldet mir das Datenvolumen ist begrenzt ...Hilfe Hilfe worauf denn 1kB Bandbreite, ich hab doch noch gar nichts gemacht. Ich habe fertig für heute mit Internet, morgen mit einer besseren Verbindung versuche ich das Ganze nochmal.




Dienstag, 20.09.2016

Ich habe Zeit heute vormittag bis 11Uhr. So mache ich eine Stadtbummel durch Palmanova. Palmanova ist eine Planstadt, deren Anlage im 16.Jh.am Reißbrett entstanden ist, alles ist sternförmig um die Hauptplaza angeordnet und von einem Erdwall außen umgeben, der nur von den Stadttoren durchbrochen ist. Wirklich sehenswert ist aber nur die Hauptplaza.
Pünktlich 11Uhr hole ich mein Fahrrad ab, der Fahrradmonteur hatte am gestrigen Tag noch mitbekommen, das ich bis Dubrovnik will und das Rad daraufhin nochmal durchgecheckt und mein Tretlager auch noch gleich gewechselt. Wirklich super super Service. Gegen Mittag hängt all mein Gepäck wieder am Rad und los gehts. Naja zumindest 5km, vor mir braut sich eine riesige Gewitterfront zusammen. Sch.. genau in die Richtung muß ich, so auf freiem Feld wo ich hier bin, will ich nicht unbedingt ins Gewitter geraten. So sprinte ich den Hügel vor mir hinauf, wo ich einige hohe Bäume und ein Anwesen ausgemacht habe.
Kaum dort angekommen geht es auch schon los, ich flüchte mich unter das Vordach des Hauses. Die Bewohner, ein älteres Ehepärchen haben ihren Außengast mittlerweile auch mitbekommen und bitten mich auf einen Kaffee herein. So verbringe ich das Gewitter bei Pfannkuchen und gutem Kaffee und versuche mich mit den beiden zu verständigen. Ich weiß nicht warum ich englisch spreche, auf deutsch würden die beiden genauso viel verstehen. Aber irgendwie kommen doch immer Gesprächsfetzen durch, welche wir mit kräftigem Nicken bestätigen.
So gestärkt und begeistert von der italienischen Gastfreundschaft geht es dann mittlerweile nachmittags weiter.
In Aquileia mache ich kurz Stop und besichtige die hiesige Kathedrale. Hier ist das bedeutendste frühchristliche Fußbodenmosaik Italiens aus dem 4.Jh. zu bewundern.
In der Kathedrale verlaufen über dem Boden aufgespannte Glasstege auf denen man laufen kann ohne die wertvollen Mosaike zu beschädigen.
Von hier aus biege ich vom Alpe Adria Radweg Richtung Osten nach Triest ab. Am Anfang geht es über Nebenstraßen und Feldwege, wirklich angenehm zu fahren. Durch Monfalcone fahre ich nur schnell durch, keine Zeit mehr. Danach befinde ich mich auf einer Straße wie ich es hasse. Verkehr ohne Ende, links und rechts über weite Abschnitte Leitplanken, so das keine Ausweichmöglichkeit besteht, und manche Italiener fahren wirklich wie die besengten Sauen.
Bis Triest geht es jetzt wieder stetig bergan, so das ich 250m über Triest ankomme und in Serpentinen auf die Stadt hinunter zurase, bei einem wirklich atemberaubenden Anblick von Meer und Stadt von hier oben. Obendrein gibts noch einen Regenbogen über Triest, ich liebe diese Stadt jetzt schon, was für ein Empfang. 70km sind es so dann doch noch heute geworden. In Triest radle ich noch den Hafenpier und die Hauptplätze ab. Mittlerweile geht die Sonne unter. Bis zum nächsten Campingplatz in Slovenien sinds noch ca. 20km, oder ich muß wieder 15km zurück, da war auch ein Camping. Da ich das nicht mehr vorm Dunkelwerden schaffe, beschließe ich mir hier etwas zu suchen.
Nach einer Irrfahrt durch die Innenstadtgassen, in denen es von italienischem Leben überschäumt, von Gästehaus zu Hotel zu Gästehaus, gelingt es mir endlich ein freies Zimmer in einem Hotel zu ergattern. Fragt nicht nach dem Preis.
Das Internet ist hier genauso grausam. Geschlagene 2 Stunden um in meinen Blogger Acount zu kommen. Das Hochladen ist eine Katastrophe, mittlerweile sind schon wieder 3Stunden um, Abendessen mittlerweile ausgefallen, Sorry die restlichen Bilder muß ich später nachliefern, ich bin mehr als genervt vom Internet hier und muß zumindest schlafen.

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