Heute ist so ein Tag, der unter dem Motto steht: "Hät ich das doch nur vorher gewußt".
Zum Frühstück gehts heut früh erstmal nach Rovinj in eine kleine Bar am Hafen. 9:30 bin ich dann startklar. Aus Rovinj raus geht es stetig bergauf, bis auf 350 Höhenmeter. Heute fahre ich den ganzen Tag Landstraße, die Zeite der beschaulichen Fahrradwege ist vorbei.
So muß ich estmal viel Auspuffgase schlucken, bis eine Autobahn die Ausfallstraße aus Rovinj quert und das Verkehrsaufkommen deutlich abnimmt. Bei Kanfana beschließe ich einen Abstecher nach Dwigrad zu machen. Das soll ein verlassenes Geisterdorf sein. Der Abzweig nach Dwigrad beschert mir eine rasante Abfahrt und ich büße gleich 150 Höhenmeter ein. Oh nein, nicht das ich Abfahrten nicht mag, aber das muß ich gleich wieder hoch. Das Geistedorf stellt sich eher als Burgruine heraus, da hatte ich anderes erwartet. ("hät ich das doch nur vorher gewußt"). Also wieder hoch und weiter. Zu meinem Leidwesen habe ich heute auch noch Gegenwind, nicht sehr stark, aber ausreichend um mir das radeln schwer zu machen.
Hinter Barban kriege ich eine rasante Abfahrt ins Tal der Rasa. Innerhalb weniger Minuten sind meine erkämpften Höhenmeter wieder pfutsch. Bis zur Fähre in Brestova ist es noch ein ganzes Stück und ich ahne es bereits da kommt noch ein Höhenzug über den ich drübermuß und so ist es auch und ich kämpfe mich wieder auf über 300 Höhenmeter hoch, um danach in Schußfahrt auf die Fähre in Brestova zu zuschießen. Mit der Fähre geht es dann nach Porozina im Norden der Insel von Cres. Mittlerweile ist es 17:50 und ich hab von der Fähre schon den gebirgigen Charakter von Cres bewundern dürfen. Bis Cres (Ort) selbst, wo der nächste Campingplatz ist, sind es noch 20km, vorm dunkelwerden bei den Bergen nicht mehr zu schaffen.
So erkundige ich mich erstmal hier an der Anlegestelle nach Übernachtungsmöglichkeiten. Da solls vielleicht was geben, kriege ich heraus, aber so richtig komme ich da nicht weiter. Kurzentschlossen schwinge ich mich aufs Rad um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln. Weiter... es geht berghoch 450 Höhenmeter auf 10km. Ich hab schon 90km in den Beinen heute so brauche ich eine Stunde dafür. Neben mir sehe ich im Westen die Sonne untergehen. Viel Zeit für Fotostops nehme ich mir nicht. ich bin beeindruckt wieviel Kraft man noch aus seinen Beinen herausholen kann, wenn man muß. Die Bilder von der steinigen Insel Cres und der untergehenden Sonne über der Adria bei meiner Kampffahrt werde ich wohl so schnell nicht mehr vergessen.
Als ich den Gipfel erreiche ist es fast dunkel, weitere 5km und ich sehe den Ort Cres unter mir im Dunkeln leuchten. Ein Jubelschrei entringt sich mir.
Nichts gegen wildcampen, aber heute wäre echt ungünstig gewesen, ich habe kein Wasser mehr an Bord, am letzten Supermarkt hab ich versehentlich Sirup statt Limonade gekauft, so sind meine Trinkflascheen mit diesem ekelhaften süßen Zeug verklebt.
In Schußfahrt geht es auf Cres nach unten zu, viel mehr als die Mittelmarkierung der Straße sehe ich bei meiner spärlichen Fahrradbeleuchtung nicht mehr. Wenige Minuten später stehe ich auf dem Campingplatz und baue im Dunkeln intuitiv mein Zelt auf.
116 km sind es so heute geworden und gefühlt genauso viele Höhenmeter.
Auf dem Campingplatz bin ich so kaputt, das ich erstmal den falschen Sanitärbereich aufsuche, fröhliches Frauengekicher macht mich darauf aufmerksam, das ich auf der falschen Seite sitze. Mist, ich schüttle mein "langes" Haupthaar und schleiche mich vorsichtig wieder hinaus.
Glücklicherweise gibt es eine Pizzeria auf dem Platz hier und so landet dann eine riesige Pizza auf einem Kuchenteller auf meinem Tisch. Normalerweise viel zu viel für mich, aber heute verschwindet die Monsterpizza innerhalb von 5min im Nirvana meines Magens.
Noch 2 Radler dazu und ich bin wunschlos glücklich für heute.



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